Jetzt hab ich also offiziell den Auftrag bekommen, darüber zu schreiben, was Männer denken, wenn wir Frauen nicht dabei sind. So offiziell wie facebook es eben kundtun kann. Die weibliche Gegenseite zu Herrn Hochrainers Kolumne, sozusagen. Gut. Wie kann man diese Frage wissenschaftlich korrekt beantworten, ohne sich als Mann verkleidet in eine Kneipenrunde zu mischen? Ich warf also diese Frage in den Raum, als meine Freundinnen abends bei mir waren.
,,Glaubst du Männer schwärmen?“
,,Über dich? Über uns Frauen? Du meinst, wenn wir nicht Models und nackt auf irgendeinem Kalender abgebildet sind?“
Wir können es uns einfach nicht vorstellen. Viel zu oft haben wir die klischeehaften Filme gesehen, in denen Männer sich über ihre Frauen beschweren und sabbernd an der Bar freizügig angezogenen, nun wir wissen alle was gemeint ist, nachsehen.
Ich hab noch nie einen wirklich verliebten Mann gesehen. Bitte zweifelt jetzt nicht meine Qualitäten an, ich meine nicht die Männer. Ich meine verliebte männliche Freunde. Meine männlichen Freunde sehen immer gleich aus. Egal was passiert ist. Es wirkt sich lediglich auf den Alkoholpegel aus, den sie sich zuführen werden. Hin und wieder kommen dann wütende Worte rausgesprudelt wie: ,,Sonne. Schlamm. Pe.“ Und am nächsten morgen ist scheinbar alles vergessen. Keine wütenden Statusnachrichten, keine äußere Befindenstrübung ist zu bemerken. Wie es innen aussieht. Das wäre wieder ein anderes Thema. Denn in dieser Hinsicht glaube ich nicht, dass Männer und Frauen sich unterscheiden. Innerlich sind wir alle gleich wütend oder glücklich oder verletzt oder enttäuscht. Es ist die Art, wie wir damit umgehen. Wie wir es mit unserem Ego vereinbaren können, es unseren Freunden erklären, es ihnen mitteilen, wie es uns wirklich geht.
,,I stayed with her an extra six months just because her tits were so amazing"
Ein Zitat aus der guten alten Glamour. Ja ich weiß, Trashpaper und so. Aber wenn das doch ein Mann dokumentiert hat? Was soll man sonst glauben?
Dass er mit ihr wegen ihres Humors zusammen war? Wäre bloß ein Plus. Warum sind sonst so viele innerlich scheinbar hohle Damen vergeben die sich ihren Vorbau umbauen ließen?
Besprechen Männer die Gespräche? Oder besprechen sie eher den Sex?
,,Ich denke letzteres."
,,Ich auch."
,,Ja. Wird wohl so sein."
,,Stell dir vor, dass sein bester Freund genau weiß, wie du nackt aussiehst. Und wenn du ihn das nächste Mal siehst, und die beiden sich ansehen und lachen, dann ist es bestimmt wegen deiner Oberschenkeln!“
Wenn ich hin und wieder nur mit Männern unterwegs bin, drehen sich ihre Fragen um folgendes:
,,Hast du das Match gestern gesehen?"
,,Und. Heute schon Sex gehabt?"
Bei Frauen dreht es sich darum:
,,Schon die neuen Schuhe gesehen?"
,,Und. Heute schon Sex gehabt?"
Immerhin wissen wir jetzt eines. Es geht auch um Sex. Immer.
,,I want a harem."
,,You couldn't afford a harem."
,,No but if I had a harem you could just pick one out, do the deed, pat her on the arse, send her back to the harem and watch the James Bond marathon. You wouldn't have to deal with her all the time."
Achso ist das. Teilzeitspaß. Aber wir wollen es meistens ganz oder gar nicht. Nur die Dummen oder Hässlichen geben sich mit einem Mittelding zufrieden.
Oder die richtig, richtig Verliebten. Meine Verbündeten und ich haben uns einige der Zitate angesehen. Männer reden sicher immer davon, wie es wäre, Frauen einfach bestellen zu können. Wie eine Pizza. Eine zum Kochen und Bügeln, eine zum Jammern und Bemitleiden und eine fürs Bett. Wobei letzteres doch sicherlich noch das Angenehmste wäre.
,,Your trouble is you keep on rolling the dice. You get a girl who’s a seven, but you keep rolling, hoping you’re going to get a nine. But you might get a four. Me, I’ve got a six, and I’m sticking with her. I’m happy with that.
Muss man sich mit weniger zufrieden geben, als man bekommen kann? Geben es Männer zu, wenn sie sich mit diesem „weniger“ zufrieden geben, nur weil sie nicht mehr bekommen? Ich denke Männer reden auch viel über das Aussehen ihrer Freundinnen. Sie vergleiche die Teile wie bei Autos. Und sie geben uns bestimmt Namen wie: Übergangsfrau. Oder denke ich das nur, weil wir das tun?
Frauen nehmen das ganze HesaidShesaidThing viel zu ernst. Wir reden generell viel. Sehr viel. Und mindestens die Hälfte der Zeit geht es darüber, was er gesagt hat.
Und was wir denken, was er tun wird. Oder gesagt hätte, wenn wir dieses oder jenes darauf geantwortet hätten.
,,Ich bitte dich. Männer reden maximal zehn Minuten über uns.“
,,Ja. Und dann bestimmt nur darüber, wen sie sonst noch gerne hätten.“
Negative Ansichten, man sieht es liebe Herren.
,,I've got to get rid of this belly."
,,It's not that bad, we'll work on it."
,,Good, because I'm a short guy. And I am not rich enough to bet fat and short."
Schön. Sehr schön, sie machen sich Gedanken über ihren Waschbrettbauch und reden übers Fitnesscenter. Machen sie sich auch Gedanken über ihren IQ? Machen sie sich auch Gedanken darüber, warum die Beziehung ihretwegen nicht funktioniert hat? Er hat sich eingeengt gefühlt, sie wollte etwas zu zweit machen. Er brauchte sein abendliches Bier mit Freunden, sie wollte mit ihm einen DVD-Abend machen. Die meisten Männer können schlechter über ihre Gefühle reden als ihre (Ex)freundinnen. Womöglich gestehen sie ihren Freunden auch nicht die Dinge, die sie falsch gemacht haben sondern nennen eher die Dinge, die sie gestört hatten und letztendlich zum Ende führten. Behalten Männer Fehler lieber für sich, damit das Ego nicht noch mehr Kratzer bekommt? Geht es immer um Hierarchie?
Fragen und manchmal auch neutral gemeinte Aussagen werden von Männern leicht als Kritik missverstanden, als ein Test, ob ihr Status und ihre Stellung auch gerechtfertigt ist. Männer wollen sich ständig beweisen, ihren Freunden von den Eroberungen erzählen, vom erfolgreichen Training. Hauptsache es war gut. gut. gut. Wer erzählt schon gerne schlechte Erlebnisse?
,,Früher haben die Jungs mit 20 die Frau aus dem Tanzkurz geehelicht. Und heute wird dir vorgegaukelt, du hättest 100 Optionen im Leben und solltest die alle mal gelebt haben. Man hat hunderte Kontakte bei Facebook und auch später keinen Schimmer, wen man heiraten soll. So frei und unabhängig, wie wir Männer immer tun, so zerrissen sind wir auch. Die Suche nach der Liebe ist auch so schwer geworden, weil wir so große Angst vor Enttäuschung und Verlust haben. So etwas wie die Leiden des jungen Werther würde sich heute niemand mehr antun. Sobald heute etwas in einer Beziehung nicht rund läuft, ziehen wir doch gleich die Notbremse. Wir kämpfen nicht darum. Wir lassen Menschen nur noch vordergründig an uns ran, belügen uns mit Sätzen wie ,,Ich will mich jetzt noch nicht festlegen." Alles Schutzbehauptungen, weil wir Angst haben, verletzt zu werden. Wir würden so gern alles für die Liebe tun. Doch was genau wollen die Frauen von uns? Wollen sie den Ernährer mit Beschützerinstinkt? Oder fühlen sie sich dann bevormundet, eingeengt? Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich gleichzeitig wilder Kerl sein muss und zivilisierter sensibler Mann, der auch noch Augencremes benutzt."
Nein. Das hat wirklich keine Frau geschrieben.
Denken das Männer? Wenn das Männer denken würden und es wirklich auch zugeben würden, was sie natürlich niemals tun würden, dann hätten sie in unseren Augen angeblich keine Eier. Hat es etwas mit der Emanzipation zu tun dass Männer mittlerweile oft gar nicht mehr wissen, woran sie sind? Die Welt hat sich verändert, wie sie es immer tut. Wir stehen noch am Anfang dieser neuen Dimension in der die Grenzen undefinierbar sind.















































